Bericht Schaffhauser Nachrichten

Eine dreizackige Krone und der Buchstabe «W». Diese beiden Symbole prägen die Kollektionen der Kleidungsmarke «William by Batali». Deren Schöpfer, Francis Batali aus Stein am Rhein, investiert beinahe jede freie Sekunde in den Aufbau seines Labels. Gerade kürzlich konnte der 38-Jährige einen weiteren Schritt gehen, der ihm noch mehr Präsenz in der Region beschert: Für «William by Batali» hat er einen Showroom in Schaffhausen eröffnet. Doch was steckt hinter diesem «Street Fashion»-Label und seinem Gründer?

Ein Besuch im Showroom, der sich im Kammgarn-Westflügel befindet, offenbart einen Blick auf jede Menge T-Shirts, Pullover, Mützen und Jogginghosen. Francis Batali präsentiert mit einem breiten Lächeln augenblicklich seine aktuelle Kollektion, die er selbst designt hat. Es dominieren Pastellfarben. Das Emblem der Marke ist dezent auf den überlangen T-Shirts und Pullovern platziert. «Bei den Designs vertraue ich auf mein Bauchgefühl», erläutert Batali. Er möchte keinem Trend hinterherlaufen, sondern Kleidung schaffen, die seinem persönlichen Gusto entspricht. «Wenn es dann anderen Leuten gefällt, bin ich umso glücklicher.»

Nimmt man einen «William»-Pullover in die Hand, fällt zunächst eines auf: Das Kleidungsstück spielt in einer unüblichen Gewichtsklasse. Er ist wesentlich schwerer als ein gewöhnlicher Kapuzenpullover in derselben Grösse. Das liege an der höheren Grammatur, erklärt der Steiner Modedesigner. Damit ist die Dichte des Webstoffs gemeint. Aus diesem Grund wiegt ein «William»-Pullover rund 1,2 Kilogramm. Gemäss Batali verspreche dies sehr gute Qualität.

Der soziale Gedanke im Hintergrund

Unter anderem möchte er sich mit der Stoffverarbeitung von der Konkurrenz abheben. Schliesslich lautet der Slogan seiner Marke «wear different – stay different». Womit «William» auch herausstechen soll, sei das soziale Denken: «Es gibt viele Marken, die sich als wohltätig inszenieren. Durch meine Familie ist ‹William› allerdings direkt in karitative Zwecke involviert.» Was meint Francis Batali damit? 20 Prozent der Einnahmen gehen an ein Waisenhaus in Togo. Dieses wurde von seiner Mutter in der Stadt Kpalimé vor rund 13 Jahren erbaut. Seither führt sie das Waisenhaus und betreut dort derzeit 18 Kinder. Dieses Projekt ist für Batali eine Herzensangelegenheit. «Allerdings soll sich der soziale Gedanke nicht zu sehr in den Vordergrund drängen. In erster Linie wünsche ich mir, dass meine Kunden die Produkte kaufen, weil sie ihnen gefallen.»

Gerade wegen dieses Projekt legt Francis Batali besonderen Wert auf die Produktionsbedingungen seiner Waren. «Es kann nicht sein, dass die Waisenkinder in Togo durch Kinderarbeit finanziert werden.» Deshalb hat er sich dafür entschieden, seine Kleidung in Europa produzieren zu lassen. Das sei zwar deutlich teurer als eine Produktion in China oder Bangladesch, aber dafür könne er auf die Qualität und die Arbeitsbedingungen vor Ort vertrauen. Von diesen mache er sich auch gerne mal persönlich ein Bild. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2019 entstanden seine Kleidungsstücke in Istanbul. Für die neue Kollektion wechselte er allerdings den Produktionsstandort nach Portugal in einen Familienbetrieb. «Ich bestelle in der Regel eine eher geringe Stückzahl meiner Produkte. Daran hatte das Grossunternehmen in der Türkei nicht besonders viel Freude», erinnert sich Batali.

One-Man-Show

Weil seine Marke noch am Anfang stehe und das Geschäft nicht primär profitorientiert ausgerichtet sei, kann Francis Batali nicht von der Mode leben. Derzeit müsse der gelernte Betriebsökonom noch viel selbst investieren, ohne dabei Gewinne erzielen zu können. «Längerfristig ist es aber mein Ziel, mit ‹William› meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.» Dabei steht auch der Gedanke im Raum, die Marke weiter auszubauen, indem die Kleidungsstücke in Läden angeboten werden. «Derzeit verhandle ich mit verschiedenen potenziellen Partnern, allerdings verzögert sich der Prozess etwas durch die Pandemie.»

Bis dahin bleibe Batali bei seinem bisherigen Konzept – und arbeitet im Alleingang. Beim Modelabel ist er nämlich der einzige Mitarbeitende. Abgesehen von der Produktion kümmere er sich um alles. Selbst die Pakete verpacke er noch selbst. «Wenn ich eine Bestellung aus der Nähe habe, dann liefere ich die Kleidung auch manchmal selbst aus. Letztens bin ich nach Neuhausen zu einem Kunden gefahren,» erzählt Batali. Das sei für ihn kein grosser Aufwand und den persönlichen Kundenkontakt schätze er sehr.

Was dem Steiner ebenfalls Freude bereitet, sind die prominenten Persönlichkeiten, die er als Markenbotschafter von «William» gewinnen konnte. Dazu zählen etwa Sportler aus der Region wie Kadetten-Spieler Gábor Császár oder FCS-Offensivakteur Franck Djoulou. Auch internationale Grössen konnte Batali schon mit seiner Couture ausstatten: Dazu zählt etwa der deutsche Ex-Fussballnationalspieler Sami Khedira. Batali, der selbst früher beim FCS gekickt und heute ein Junioren-Team mitbetreut, habe ihn in Konstanz kennengelernt. «Ein Freund von mir hat mich mal angerufen und gemeint, ich solle sofort in seine Physiopraxis kommen.» Ohne zu wissen, was auf ihn zukam, machte er sich auf den Weg und lernte den Fussball-Star, der Kunde in der Praxis war, kennen.

Mit bekannten Botschaftern und einer starken Präsenz in den sozialen Medien versucht Batali, seine Marke voranzutreiben. Inzwischen erhalte er auch Bestellungen aus den USA, Frankreich oder Deutschland. Der jüngste Schritt freut ihn als Designer aber besonders. Mit dem Showroom in Schaffhausen können Interessierte nun bei ihm vorbeikommen, um sich die Kleidung anzusehen und sie anzuprobieren. «Mit dem Online-Shop war es nicht immer leicht. Wenn die Leute meine Marke nicht kennen, können sie auch nicht den Schnitt und die Qualität der Stücke abschätzen», erzählt Batali. Deshalb sei es wichtig, dass man erfährt, wie sich die Kleidung anfühlt: «Nur so weiss man, woran man ist.»

Bericht / Foto von Fabian Babic

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